Getriebeölwechsel PowerShift: Grand Tourneo Connect (Getrag 6DCT)

Hier mal- wie bereits angekündigt- mit etwas Verspätung mein ausführlicher Bericht zum Getriebeölwechsel beim Ford Grand Tourneo Connect (PJ2), EZ 03.2018.

Das 6-Gang Doppelkupplungsgetriebe der Firma Getrag, auch „PowerShift“ genannt, benötigt ab und an mal etwas Pflege und sollte nicht vernachlässigt werden, um es vorsichtig auszudrücken. Alles, was ich hierüber an Infos zusammengetragen habe, ist hier kompakt zusammengeschrieben.

Ich habe zum Glück in meinem Kundenkreis eine Firma, welche sich auf Getriebereparaturen spezialisiert hat. Audi DSG, VW, Ford, Jaguar… auch Transporter und LKWs. Dort sind alle Fahrzeuge vertreten. Auch werden Spülungen und Ölwechsel durchgeführt. Sehr guter Laden, kenne ich bereits viele Jahre, der Inhaber und Jungunternehmer hat Ahnung, ist sehr sympathisch, hat eine offene und ehrliche Art, wir vertrauen uns gegenseitig und ich habe dort bereits 3 Getriebeölspülungen bei meinen Mondeos Automatik Mk3 V6 durchführen lassen. Dies waren die 5-Gang Wandlergetriebe von JATCO, bei Ford „DuraShift“ genannt, welche ja angeblich eine „Lifetime-Füllung“ haben. Ist natürlich absoluter Blödsinn, soviel Logik sollte jeder im Kopp haben und sich ausmalen können, wie dieses „Getriebeöl“ nach 10 Jahren oder 100.000km oder noch mehr dann ausschaut… ob das noch so tolle Schmiereigenschaften hat? 🙂

Früher war das wohl bei den meisten Herstellern so, in den letzten Jahren hat sich dies zum Glück geändert, heute werden auch für das Getriebeöl Wechselintervalle vorgegeben und auch so konstruiert, das man diesen Service einigermaßen- mal mehr oder weniger gut- durchführen kann.

Bei allen 3 Spülungen meiner damaligen Mondeos kam eine Brühe raus, wo man nur noch den Kopf schütteln kann! Der Filter im JATCO-Getriebe sitzt im Getriebe selbst beim Wandler, ist nur bei kompletter Zerlegung wechselbar… aber schon eine Spülung und der daraus resultierende komplette Wechsel des Öls wirkte Wunder. Das Schaltverhalten war danach wieder komplett anders, sanft, nahezu ruckfrei, der Spritverbauch ging etwas runter und der Wagen fuhr einfach wieder super. Gibt auch einen Thread darüber.

Aber zurück zum PowerShift-Getriebe: Wie ihr ja im Blog lesen konntet habe ich mir einen Grand Tourneo Connect zugelegt, meine Frau fährt nun den Tourneo Courier. Der Connect hatte bei der Abholung am 22.02.2019 erst 11.200 km, mittlerweile nach knapp 4 Wochen über 14 TKM und gerade bei Minustemperaturen schaltete er in den ersten Minuten etwas härter. Nicht extrem, nicht viel, es war nur leicht spürbar und es verlief sich auch nach 2-3 Minuten… aber es war eben doch ein Unterschied spürbar. Außerdem bin ich auf das Getriebethema mittlerweile „sensibilisiert“, denn wenn man mal diese abgelassene Brühe sieht und riecht und zwischen 2 Fingern verreibt- das vergisst man nie wieder!

Der Hersteller Ford schreibt einen Wechselintervall von 60.00 km vor, immerhin schon mal positiv.

Ich habe natürlich vertrauensvoll meinen Getriebe-Spezi gefragt und der meinte, wer seinem im Öl laufendem Doppelkupplungsgetriebe etwas Gutes tun will und den Wagen lange behalten möchte der sollte die Intervalle kilometertechnisch beim GETRAG etwas kürzer setzen und nach 3 Jahren auf alle Fälle wechseln, da das Öl eben mit der Zeit durch Verschleiß und Alterung Veränderungen der Eigenschaften mit sich bringt, welche dann natürlich auch auf die Lebensdauer des Getriebes geht.

Ich fragte erst mal bei 2 Ford Autohäusern in der Region hier nach und bat um eine Preisinfo. Wohl gemerkt- kein Angebot, ich wollte nicht das die Herren Zeit aufbringen müssen für ein genaues Angebot. Ich kenne das. Aber eine telefonische, ungefähre Anfrage wollte ich schon machen.

Der Erste Freundliche wollte für einen Getriebeölwechsel um die 400.- Euro und konnte mir einen ungefähren Zeitaufwand nicht nennen, ich solle den Wagen mal einen Tag da lassen. Der Zweite wusste erst nicht, dass es das beim Connect gibt und sagte, das er mich zurückrufen würde, er müsse erst genau in der Werkstatt nachfragen. Der Rückruf kam am nächsten Tag und er meinte, das der Ölwechsel schon etwas aufwändig sei und auch einen Filter beinhaltet. Er „schätzt“ mal, dass ich mit 400.- bis 500.- Euro rechnen und einen Tag auf meinen Connect verzichten müsse…

*räusper*

Keiner wollte die Laufleistung oder das Alter des Wagens wissen, oder fragte mich etwas… oder wollte wissen wie ich denn auf die Idee kommen würde. Ok.

Nun ja, ich mag Ford. Fahre seit jeher die Autos. Und dazu stehe ich auch. Aber wie so oft im Leben- und das sage auch ich als Selbstständiger immer wieder: Menschen machen Geschäfte! Es gibt gute und schlechte IT`ler, gute und schlechte Bäcker, Maurer, Mechaniker oder eben auch Werkstattmeister bzw. Kundenbetreuer, die dann solche lapidare Aussagen machen.

Boah, Leute- damit tut man doch der Marke, oder seinem Arbeitgeber und auch der Kundschaft nix Gutes… kapieren das die Menschen heute nicht mal so langsam?

Der Arbeitsalltag ist nicht leicht, der Preiskampf wird immer härter, die Kundschaft dank Google immer schlauer und viele eignen sich selbst viel Grund- oder (gefährliches?) Halbwissen an… man merkt heute relativ schnell, wenn einer eben fachlich nicht auf dem aktuellem Stand ist.

Wenn ich so etwas machen würde- ich könnte bald meinen Kalender zumachen, bekäme keine Empfehlungen und Aufträge mehr, könnte meine beiden Autos verkaufen und Frau und Kind nicht mehr ernähren… :-/

Nun gut, in anderen Autohäusern oder bei anderen Marken schaut es ähnlich aus, glaubt mir… wie so oft: Alles steht oder fällt mit den Mitarbeitern…

Zurück zum Thema. Preislich natürlich bei beiden Händlern „sportlich“, fachlich für mich beide durchgefallen. Ich fragte meinen Spezi, wie es den mit dem Getriebeölwechsel ausschaut. Und es zeigte sich sofort wieder, das es eine Wohltat ist, mit jemandem zu sprechen, der Ahnung hat!

Er verlangt regulär 190.- Euro (!) für den Wechsel, dieser ist in 30-40 Minuten erledigt. Je nach Getriebeversion gibt es 2 oder 3 Ablassschrauben, dann Filter wechseln, oben frisches Öl einfüllen, er benötigt je nach Version des 6DCT-Getriebes ca. 6 Liter Getriebeöl und einen neuen Filter. Materialkosten liegen ungefähr bei 80 bis 90 Euro, sagte er, der Rest ist für Zeit, Bühne, Wissen, Steuern, und n bissl was hängen bleiben sollte ja auch. Bämm, alle Infos da- ehrlich, schnell, kompetent! So mag ich das.

Weiter meinte er, das dieses Getriebe nicht der Burner ist und auch mal gerne Probleme bereitet, aber es ist recht solide. Mit der richtigen Fahrweise und Pflege! Er empfiehlt den ersten Wechsel nach 20.00 km, da sich da vieles einläuft, da gibt es den ersten leichten Abrieb, es laufen sich alle Teile ein usw, danach alle 50.000 km oder auf jeden Fall nach 3 Jahren. Das Getriebe altert schneller bei ruppiger oder „sportlicher“ Fahrweise, sagte er ganz klar. Er hat schon offene Getriebe nach 40.000 km auf dem Tisch gehabt, die sahen schlimm aus, verschlissen. Er hat aber auch schon eines mit 166.000 km offen gehabt, das sah noch gut aus und er hat nur einige Federn und Scheiben erneuert. Bei einigen streikt auch gerne mal die Elektronik und Steuerung, hier hilft nur ein schnelles auswechseln der Steuereinheit, sofern das Getriebe nicht schon einen kapitalen Schaden erlitten hat.

Er nannte auch einige Komponenten und Fachbegriffe, aber alles konnte ich mir leider in dieser kurzen Zeit nicht merken oder gar aufschreiben, verzeiht mir bitte. Ein generelles Problem sein auch, das von dem GETRAG-Getriebe extrem schwer Einzelteile, einzelne Komponenten, Teilenummern, Bezeichnungen oder Ersatzteile bekannt/bestellbar seien, da der Hersteller GETRAG bzw Magna hier wohl viel an Infos zurückhält… und lieber ein komplettes Getriebe verkauft als Einzelteile oder bekannte Reparaturset`s / Teilepakete anbietet.

Dies liest man auch im Netz und in diversen Foren: sobald mal ein Getriebe Probleme bereitet und man damit zu seinem Händler marschiert (und hoffentlich noch Garantie hat!) wird meistens das gesamte Getriebe getauscht. Erledigt. Oft mit mehr oder weniger hohem Eigenkostenanteil.

Nun denn, mein Spezi meinte er hätte mittlerweile „seine Quellen“ und bis jetzt habe er noch jedes Getriebeproblem in den Griff bekommen. Komplett gewechselt wird erst, wenn eine Instandsetzung absolut keinen Sinn mehr macht.

Wieder zurück zu meinem Ölwechsel- der Tarif ist Klasse, ich bekam aufgrund unserer Geschäftsbeziehung einen Sonderpreis, gleich Termin ausgemacht.

Am 08.03.2019 ging`s dann in die Pfalz, hatte dort eh noch einen anderen Termin… pünktlich um 13 Uhr war ich vor Ort. Ich wurde erwartet, mein Spezi rangierte den Connect gleich zur Bühne Nr. 3, die anderen beiden waren mit einem Mercedes und einem Audi A5 belegt. Schick.

Auf den Werkbänken in der Halle lagen überall Getriebeteile in Bädern, in Kisten, mehrere Mitarbeiter schraubten, zerlegten, wuselten rum, einer saß hinter einer großen, fest montierten „Lupe“ mit fettem LED-Licht und montierte mit feinem Werkzeug an einem Getriebe, ganz filigran… und im Regal links von mir lagen auf zig ebenen Getriebeteile… beeindruckend! Habe auch ein Bild gemacht von einem gereinigten Teil in einer Wanne, fragt mich aber nicht was das war… zuviel Input in kurzer Zeit, Speicherplatz voll… 🙂

Ich bekam einen Kaffee, wir quatschten, aber ich konnte kaum zuhören, denn „nebenher“ durfte ich zusehen und sein Kollege legte gleich los. Alter Schwede- das ging flink! Zu schnell! Ich kam kaum dazu, Fotos zu schießen und mir gleichzeit das Gerede anzuhören… 🙂

Ratz-Fatz war der Luftfilterkasten ausgebaut, darunter wurde die Einfüll-Imbussschraube gelöst. Dann Wagen hoch, Unterbodenschutz weggeschraubt, Ablasschrauben auf und das Öl schoß raus. Dann Filter gewechselt, der sah dunkel aus. Dann Schrauben rein, oben einfüllen bis es einen gewissen Pegel hatte, das bekam ich nicht ganz mit… fertig, Deckel zu, Luftfilterkasten rein, fertig! Das ging ne halbe Stunde, Bämmm!!!

Das Öl sah dunkelbraun aus, roch etwas schwefelig aber war noch lange nicht so versifft wie das aus dem Mondeo-Getriebe. Mein Spezi meinte auch, dass ich mit 14 TKM noch etwas früh dran sei, aber es schadet nix und das Öl zeigte schon leichte Alterungserscheinungen. Er sagte auch, ich würde es spüren, garantiert! Dann meinen Obulus bezahlt, Hand geschüttelt, noch kurz zu anstehenden IT-Themen gesprochen, fertig, Heimweg.

Sorry falls ich mich wiederhole, aber sowas ist für mich Kompetenz! Da merkt man, wer das schon mehrfach gemacht hat. Routine. Erfahrung.

Was soll das? Mit „einen Tag den Wagen da lassen“… oder „kostet 400 Euro“… schade, schade, schade… egal, abhaken.

Das beste kommt ja noch- am nächsten Morgen steige ich ins Auto, lass den Motor an, warte wie üblich einen Moment, bevor ich losfahre… und? Geschmeidiges, ruckfreies Schalten von Anfang an. Definitiv ein deutlicher Unterschied! Absolut ruckfrei, nix rubbelt oder ruckt auch nur eine Sekunde… top! Auch im warmen Zustand dann bei gemütlicher Beschleunigung ein hervorragendes, sanftes, Hochschalten der Gänge. Perfekt. Ergo- alles richtig gemacht, die Zeit und die paar Euro waren es mir wert, den nächsten Wechsel mache ich nach 45.000 gefahrenen Kilometern dann bei bei Stand 60.000 Kilometern oder im Frühjar 2022, je nachdem was zuerst eintritt… 🙂

Wer übrigens im Süddeutschen Raum (Heidelberg, Karlsruhe, Wörth, Baden-Baden, Offenburg, Pforzheim) einen Getriebeprofi benötigt, darf mir gerne eine PN schicken, ich gebe die Daten selbstverständlich gerne weiter.

Ich hoffe, mein Bericht hat euch gefallen, wie gesagt konnte ich mir leider nicht alle Begriffe und Teile-Ausdrücke merken, die er noch so von sich gelassen hat… aber ein rundes Bild sollte doch hoffentlich entstanden sein.

Beide Tourneos sind nun auf dem Stand, erst mal steht nix mehr an… außer Geld verdienen, um die Ausgaben für beide Autos wieder langsam aufzuarbeiten… *seufz*

Viele Grüße,

Manu